Enneagramm – die neun Typen/Muster/Strukturen

Diese Zusammenstellung entstand aus verschiedenen Quellen. Als Hauptverantwortlicher zeichnet Markus Züger, Ressort Weiterbildung Enneagramm-Forum Schweiz. Ganz bewusst steht am Anfang jeweils  „in der Regel“, weil es immer wieder Ausnahmen gibt.

1 Perfektionist, optimierende Reformer   

wollen in der Regel die Welt verbessern, sehen, was richtig und falsch ist, arbeiten präzise und gewissenhaft, sie lieben Ehrlichkeit und Gerechtigkeit, sind sehr korrekt und meist kontrolliert, hinterfragen andere, aber auch sich selber und übernehmen Verantwortung. Sie sind Idealisten, pünktlich, pflichtbewusst und dulden keine Halbheiten, haben gegenüber sich und andern sehr hohe Erwartungen, sind zuverlässig, arbeiten sehr genau, sehen gut hinter eine Sache, zeigen beim Verbessern der Welt hohen Einsatz und bleiben ihren Prinzipien gerne treu. Ihre Grundangst ist es, „verurteilt zu werden“ – und ihr Grundbedürfnis besteht darin „Recht zu haben.“ Ihr Selbstbild des „Perfekten“ wird angetrieben vom Zorn. Sie dürfen lernen geduldiger zu werden und mehr zu geniessen; so werden sie zu toleranteren Menschen.

2  Geber , beratender Unterstützer      

leben in der Regel für die andern, sehen, was andere brauchen, kümmern sich weniger um ihre eigenen Bedürfnisse, sind mehr für andere da und setzen sich dafür ein, dass es ihnen gut geht, investieren sich in Beziehungen. Sie haben ein hohes Einfühlungsvermögen, sind verständnisvoll und warmherzig, charmant und treten meist fröhlich auf, sind grosszügig und freigebig, können gut neue Kontakte knüpfen und Freundschaften aufbauen, sind sensibel und können gut zuhören. Ihre Grundangst ist „nicht geliebt zu sein“ – und ihr Grundbedürfnis besteht darin „angenommen zu sein“. Ihr Selbstbild des „Helfenden“ wird angetrieben vom Stolz und sie dürfen lernen ihre eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen, sich und anderen mehr Freiheit und Raum zu lassen , so werden sie positiv selbstbezogener und dadurch bescheidener.

3  Erfolg-Macher, überzeugende Zielstreber

haben in der Regel ein Gespür, was Erfolg bringt, was gut wirkt und Nutzen bringt, vieles sieht äusserlich leicht aus, sie investieren aber viel dafür, sie identifizieren sich mit dem, was sie machen. Sie können motivieren, vertrauenserweckend auftreten, gute Atmosphäre verbreiten, sie erledigen Aufgaben effektiv und kompetent, setzen sich Ziele, erreichen sie meist, können andere befähigen, ebenfalls voranzukommen. Projekte, an die sie glauben, bringen sie meist zum Erfolg, sie können gut für andere sorgen und sich auch gut verkaufen. Ihre Grundangst ist es „abgelehnt zu werden“ – und ihr Grundbedürfnis besteht darin „bestätigt zu werden“. Ihr Selbstbild des „Erfolgreichen“ wird angetrieben durch Eitelkeit. Lernen sie mehr auf ihre eigenen Gefühle und den Willen anderer zu achten, so werden sie wahrer.

4 Individualist, romantische Selbsthinterfrager 

sind in der Regel hochsensibel und innovativ, sie ersehnen sich eine emotional erfülltere Zukunft und haben einen Blick für Harmonie. Sie können andere in Ihren Bann ziehen, sind selbstkritisch und oft auch schwermütig, sie sind selten zufrieden mit dem, was sie leisten und vergleichen sich gerne mit andern. Ihr Idealismus und ihre Sehnsucht ziehen sie oft in die Tiefe oder auch vorwärts. Sie sind meist speziell begabt, drücken ihre Gefühle entsprechend aus, erfassen Stimmungen sehr gut und ersehnen sich das Leben als Gesamtkunstwerk, das jedoch nie gut genug ist. Ihre Grundangst ist es „fehlerhaft/defekt zu sein“ – und ihr Grundbedürfnis besteht darin „intuitiv zu verstehen“. Ihr Selbstbild des „Anders sein“ wird an getrieben von Neid. Lernen sie die Realität mehr so zu sehen wie sie ist, werden sie ausgeglichener.

5 Denker, wissende  Beobachter 

sind in der Regel sachliche und objektive Beobachter. Ihre Aufmerksamkeit ist  mental ausgerichtet. Sie forschen und lesen gerne, eignen sich so neues Wissen an, ziehen sich gerne zurück, denken zuerst, bevor Sie handeln, arbeiten genau und gewissenhaft, beachten das Detail und gewinnen gerne die Übersicht. Sie können meist sehr gut zuhören, sind innen feinfühlig, betätigen sich als Forscher, Erfinder und Entdecker, sind tiefsinnig und objektiv, sammeln gerne, bevorzugen ihre Privatsphäre und wirken deshalb oft distanziert. Ihre Grundangst ist es „überflutet zu werden“ – und ihr Grundbedürfnis besteht darin „die Welt zu verstehen“. Ihr Selbstbild des „Allwissenden“ wird angetrieben vom ICH-Geiz. Lernen sie weniger ins Innere zu flüchten, offener aufzutreten und mehr ins Handeln zu kommen, werden sie nahbarer.

6  Loyaler, skeptische Sicherheitsmenschen

sind in der Regel pflichtbewusst, treu und loyal, sie beachten die verborgenen Absichten und Motive bei sich und andern. Sie bringen ihre Aufgaben meist termingerecht durch, sind sehr kooperativ und teamfähig, sehen die Gefahren früher als andere, haben einen siebten Sinn für Unvorhersehbares, sind konstante und tragende Glieder unserer Gesellschaft, in Freundschaften sehr warmherzig und tiefgründig, oft originell und witzig, können sich gut in Bestehendes einordnen und lieben klare Strukturen und Sicherheit. Ihre Grundangst ist es „preisgegeben zu werden – und ihr Grundbedürfnis besteht darin „sicher zu sein“. Ihr Selbstbild des „Loyalen“ wird angetrieben von ihren eigenen Zweifeln. Lernen sie ihr Selbstvertrauen und ihre Selbstverantwortung weiter aufzubauen, werden sie mutiger und selbstbewusster.

7 Enthusiast, lustorientierte Optimisten

strahlen in der Regel Freude und Optimismus aus, sehen die verschiedenen Möglichkeiten, die das Leben bietet, sie sorgen für gute Laune, sind voller Idealismus und haben viele Zukunftspläne. Bei ihnen läuft immer etwas, sie brauchen viel Abwechslung, können die Atmosphäre einer Gruppe sehr positiv prägen, sind oft Kindernarren, lieben das Risiko, sind sehr vielseitig und eher Generalisten. Sie wirken nach aussen meist locker und positiv. Sie haben viele Ideen, denken und handeln oft schnell und intuitiv und geniessen gerne das Leben. Ihre Grundangst ist es „Mangel zu erleiden“ – und ihr Grundbedürfnis besteht darin „nicht begrenzt zu sein“. Ihr Selbstbild des „Glücklichen“ wird angetrieben von ihrer Gier nach immer mehr. Lernen sie bei einer Sache zu bleiben, Qualität vor Quantität zu setzen, werden sie positiv nüchterner.

8   Herausforderer, beschützende Durchsetzer

sind in der Regel willensstark und entschlossen, sie nehmen wahr, wer Freund und Feind ist und wie die Machtverhältnisse sind. Sie treten selbstbewusst auf, kämpfen für Gerechtigkeit und für die Schwachen, haben ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl, können andere gut beschützen, treten engagiert auf, können andere führen und sich durchsetzen und lieben meist Konfrontationen. Sie haben oft eine harte Schale und einen weichen Kern, erfassen instinktiv, wo es stinkt und können andere an ihre Potenziale heranführen. Ihre Grundangst ist „sich unterordnen zu müssen“ – und ihr Grundbedürfnis besteht darin „souverän und stark zu sein“. Ihr Selbstbild des „Starken“ wird angetrieben von ihrer Lust und ihrem Willen oder Unwillen. Lernen sie barmherziger zu sich und zu andern zu werden, werden sie rücksichtsvoller und diplomatischer.

9   Vermittler, friedliebende Harmoniemenschen

sind in der Regel wohltuende Friedensstifter und verstehen die andern. Ihre Aufmerksamkeit geht überall und nirgends hin. Sie nehmen sich gerne zurück und können deshalb gut vermitteln, sind diplomatisch, rücksichtsvoll und können andere bedingungslos annehmen, strahlen Ruhe und Annahme aus, tun Ihrer Umgebung oft gut, können andere wertschätzen, sind faire Anstifter für Friede und Gerechtigkeit, können gut zuhören, sind im Wesen „bodennah“ und meist offene Menschen die einfach sein können. Ihre Grundangst ist es „getrennt zu sein“ – und ihr Grundbedürfnis besteht darin „im Einklang zu sein. Ihr Selbstbild des „Friedliebenden“ wird angetrieben durch ihre Trägheit, was  zu Antriebschwäche führen kann. Lernen sie sich selber für wichtig zu nehmen und sich zu behaupten, werden sie entschlossener und handlungsfähiger.